Amstel Gold Race


Jürgen war wieder unterwegs und hat uns diesen Bericht geschickt :

 

Am Samstag, den 18.April habe ich am Amstel Gold Race für die Freizeitfahrer als Tourversion teilgenommen. Also kein eigentliches Radrennen, sondern eine Radrundfahrt.

Einen Tag später waren die Profis dran. Ich hatte mich für die 100 Km- Variante gemeldet. Im Frühjahr ist man ohnehin nicht trainiert, um mehr zu bewältigen. Die Tour startete in Valkenburg, also in Holland. Dort war es chaotisch überhaupt einen Parkplatz zu bekommen. Die Polizei hatte mich auf eine Straße geleitet, die schon komplett zugeparkt war. Irgendwann, schon außerhalb der Ortschaft, konnte ich dann auch das Auto abstellen.

Danach bin ich mit dem Fahrrad zur Ausgabe von Transponder und Lenkernummer gefahren und dann ging’s los. Es schien sogar die Sonne und es war einfach nur schön durch Holland zu radeln. Vorbei an Herrenhäusern, Villen mit Vorgärten, durch schöne liebevoll gepflegte Städtchen. Entlang an Kanälen, Flüssen usw. Zwischendurch mal ein kleiner knackiger Anstieg. Einfach super. Später hat es sich dann zugezogen. Dann war es nicht mehr ganz so entspannend.

Was nicht so gut war, war die Beschilderung für die einzelnen Distanzen. Es gab nur farbige Schilder und ich wusste nicht, welche Farbe für die 100 Km Version stand. Also musste ich fragen und bekam dann die entsprechende Richtung gesagt. Nochwas hatte mich irritiert. Etwa 50 km vor dem Ziel sollte es eine Verpflegungsstation geben; für die 100 Km- Version ist das also bei halber Strecke. Hatte auch meine Wasserflasche bei km 40 schon fast leer getrunken, so nach dem Motto, in 10 km kannst du dir ja wieder was Neues holen. Als ich schon 60 km laut meinem Tacho zurückgelegt hatte, war von einer Verpflegungsstation nichts zu sehen. Ich habe sogar mal zwischendurch an einem Parkplatz gestoppt, wo mehrere Fahrer saßen. Das war dann aber nur ein Lokal und ich bin weitergefahren. Dann so bei Kilometer 80 kam sie dann endlich; die ersehnte Verpflegungsstation. Ich hatte schon einen leichten Hungerast, von meinem Durst jetzt mal gar nicht zu reden.

Und irgendwie ahnte ich es schon. Etwa 50 km vor dem Ziel sollte es ja laut Plan, wie schon erwähnt, was zu Essen geben. Also, wenn der Plan stimmte und ich noch diese 50 km vor mir hatte, dann war ich nicht auf der 100 km, sondern auf der 125 km- Route unterwegs. Und so war es dann auch. Bei Kilometer 100 war von Valkenburg weit und breit nichts zu sehen. Dafür wurden die Anstiege länger und steiler. Mittlerweile hatte ich ein anderes Problem. Es war die Zeit. Mein Vater wollte abends seinen 80. Geburtstag in einem Restaurant feiern. Und ausgerechnet ICH hatte zugesagt meine Eltern pünktlich um 17:30 von zu Hause abzuholen. Jetzt würde ich durch die größere Entfernung eine Stunde länger unterwegs sein. Aber eigentlich war noch alles im grünen Bereich.

Dann endlich, kurz vor dem Ziel, verzweigte sich wieder das ganze. Die meisten bogen nach links ab, aber zwei Pfeile zeigten geradeaus. Wieder jemanden fragen ? Die Ordner waren damit beschäftigt, die Masse an Fahrern zu dirigieren. Also es kam, wie es kommen musste: ich bin geradeaus gefahren, im Glauben das Stadtzentrum würde in dieser Richtung liegen. Nur nach einigen Kilometern kam das Ortsausgangsschild von Valkenburg mit dem Hinweis „Tot ziens“ (Auf Wiedersehen). Ich also wieder umgedreht; die 125 km auf meinem Tacho schon längst überschritten. Aber jetzt zurückfinden. Für die Rückwärtsrichtung gab es ja keine Pfeile mehr denen ich nachfahren konnte. Anfangs ging’s ja noch gut, aber dann zeigten Straßenschilder, dass das Zentrum der Stadt in der Richtung lang, aus der ich gerade herkam. Wie in dem Otto- Film hatte ich 3 Probleme: Ich war verkehrt, ich wusste nicht, wie ich zu dem letzten Abzweig kommen konnte und ich hatte keine Zeit mehr. Also habe ich jemand angequatscht: „Wo bitte geht’s zum Cauberg ?“ Das ist der letzte berühmte Anstieg vor dem Finish. So weit war ich gar nicht entfernt. Ich musste nur durch eine rappelsvolle Fußgängerzone. Und dann lag er endlich vor mir; der Cauberg.

Also kleiner Gang eingelegt und dann dem Ende entgegen. Nach dem Ziel natürlich ein riesiger Stau. Transponder und Lenkernummer mussten wieder abgegeben werden. Ein Ende der Schlange war noch gar nicht abzusehen und es war schon viertel nach 3. Um spätestens 4 Uhr musste ich wieder am Auto sein. Da waren sie also wieder, meine 3 Probleme: Ich hatte eine Lenkernummer, die noch abgegeben werde musste, ich stand am Ende einer nicht enden wollenden Schlange und mein Auto war weit außerhalb von Valkenburg in der Nähe der Autobahn geparkt. Nachdem man aus dem Gewusel raus war und alles abgegeben hatte, ging’s dann mit dem Fahrrad in irgendeine Richtung. Mir lief die Zeit davon. In einem großen Bogen wieder zurück nach Valkenburg zurück. Von dem Verkehrsgewühl jetzt mal nicht zu reden. Ich habe sogar in Valkenburg, wider Erwarten, die richtigen Abzweigungen erwischt und war Punkt 4 Uhr am Auto. Dieses war, wie sich dann noch herausstellte, in einer Einbahnstraße geparkt. Was mir jetzt noch fehlte, war mich in irgendeinem Kaff zu verfransen und nach einer Autobahnauffahrt zu suchen. Also bin ich die Einbahnstraße in die falsche Richtung zurückgefahren. Ok, ich weiß, das sollte man ja eigentlich nicht tun. Aber es war ein NOTFALL.

Dann schnell nach Hause, duschen, umziehen. Dann wieder ins Auto zu den Eltern. Pünktlich, förmlich in letzter Sekunde, kam ich bei ihnen an. Meine Mutter empfing mich mit dem Worten: „Eigentlich brauchst du uns gar nicht abholen. Wir haben versucht dich anzurufen, aber du warst schon weg“. Na klasse ! Und da waren sie wieder meine 3 Probleme: alles hatte sich gegen mich verschworen, ich war schon wieder am falschen Ort und gleich würde ich vor Hunger umfallen.

Also kurz gesagt: Wenn man von den „Kleinigkeiten“ mal absieht, war es einfach nur SUPER !

Jürgen

 

Wer mehr darüber wissen will, und vielleicht nächstes Jahr mit Jürgen fahren will, kann sich hier informieren.

Die Karte der unfreiwillige Tour….

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